Das Internet ist zum Mitmachnetz geworden. Unter dem Stichwort Web 2.0 gibt es immer mehr Angebote, die Nutzer dazu einladen, ihre eigenen Inhalte online zu stellen (user generated content). Besonders beliebt bei Jugendlichen sind sogenannte Social Networks. Auf Community-Seiten wie SchülerVZ, spickmich, MySpace, lokalisten oder Kwick können Nutzer eigene Profile anlegen und sich einfach mit Gleichgesinnten austauschen. Dabei stellen sie häufig sehr persönliche Daten ins Netz, um sich möglichst lebensnah zu präsentieren. Rund um diese Online-Communities werden derzeit verschiedene Problemfelder diskutiert, wie Datenschutz, Cybermobbing oder die Verbreitung jugendgefährdender Inhalte. Wer sich damit auseinandersetzen will, findet zunehmend auch medienpädagogische Materialien.

Virtuelle Identität
Durch neue Anwendungen verschränkt sich das reale Leben zunehmend mit dem Internet. Die beliebteste Online-Aktivität ist z.B. das Instant Messaging (JIM-Studie 2007). Mit Programmen wie ICQ oder MSN kann man sehen, wer aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis gerade online ist und schnell mit ihnen kommunizieren. Auch das Anlegen eines Online-Profils in einem Social Network wird immer mehr zu einem festen Bestandteil jugendlicher Alltagskultur. Dabei handeln viele Jugendliche nach dem Motto: „Je mehr ich im Netz über mein Leben verrate und meine Identität online abbilde, desto interessanter bin ich und desto eher treffe ich Leute mit ähnlichen Interessen.“ Über Social Networks ist es sehr einfach, sich zu inszenieren, sich auszuprobieren und verschiedenen Gruppen anzuschließen. Und gerade für Jugendliche in der Pubertät ist Selbstinszenierung und die Anerkennung in der Peer-Group sehr wichtig, um die eigene Persönlichkeit zu prägen und die soziale Identität zu finden.
(Bild: derpunk /
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Tipps von klicksafe
Auf klicksafe.de gibt es ein ausführliches Dossier über neue Web 2.0-Angebote wie Social Networks (Soziale Netzwerke wie z.B. schülerVZ, studiVZ, MySpace, ...), Foren-, Foto- und Video-Communities, Weblogs, Podcasts oder auch die virtuelle Welt "Second Life". Dabei wird auch stets der Blick darauf gerichtet, welche Risiken und Probleme bei den verschiedenen Angeboten auftauchen können. Mit den „10 Tipps für Eltern – Sicher in Social Networks“ gibt es einen praktischen Ratgeber für Eltern, die ihre Kinder auf sicheres „Networking“ vorbereiten wollen, bei dem der Spaß nicht auf Kosten anderer geht. Denn Mobbing und Ausgrenzung auf digitalen Wegen gehört leider zum schalen Beigeschmack der neuen Web 2.0-Angebote.

Portalbetreiber reagieren
Die Betreiber der Social Network-Plattformen, die sich vor allem durch Werbung finanzieren, zeigen zunehmend Verantwortung. Das Angebot „schülerVZ“ wurde beispielsweise im Sommer 2007 von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) verwarnt, weil einige Nutzer pornografische, rechtsradikale und andere jugendgefährdende Inhalte veröffentlicht hatten. Inzwischen hat „schülerVZ“ seine Jugendschutz-Aktivitäten verstärkt und z. B. einen Filter in die Suche eingebaut und einen Verhaltenskodex sowie eine Infoseite für Eltern veröffentlicht. Gemeinsam mit klicksafe.de und den Internatuten fand zum Safer Internet Day 2008 auch die medienpädagogische Aktion „Respekt im Netz“ statt. Auch das Schülerportal „spickmich“ hat einen Bereich für Eltern und Lehrer eingerichtet.
„Ich hab doch nichts zu verbergen“
Mit dieser Haltung stellen viele Jugendliche private Daten online. Ein grundsätzliches Bewusstsein dafür, dass Daten etwas Schützenswertes sind, fehlt häufig. Um an dieses Bewusstsein zu appellieren, können auch unorthodoxe Maßnahmen helfen, so wie in einem Kölner Jugendzentrum: Dort hat eine Medienpädagogin mitbekommen, dass sich einige Mädchen aus der Einrichtung im Netz mit Bikinifotos präsentieren. Die Sozialarbeiterin hat die Fotos im Großformat ausgedruckt und im Jugendzentrum aufgehängt. Die anfängliche Empörung der Mädchen darüber, dass diese Fotos ja wohl niemanden etwas angehen, wich recht schnell der Erkenntnis, dass die Bilder auch im Internet von jedem zu sehen sind. Eine schöne Handreichung für Jugendliche, die diesen ersten Aha-Effekt unterstützen kann, ist das PDF „Big Brother is watching you“ von Jugendinfo.de aus Bremen.
Die Würde des Menschen
Bei all den Problemen rund um digitales Mobbing, Beleidigungen und „Fertigmachen“ im Netz geht es eigentlich immer um fehlenden Respekt im Umgang miteinander. Die heutige Medienwelt macht es erschreckend einfach, bedenkliche und persönliche Inhalte im Netz zu finden und missbräuchlich zu verbreiten. Verbote und technische Filter helfen nur bedingt, der Situation gerecht zu werden. Jugendliche müssen eine Haltung entwickeln, um mit problematischen Inhalten und ihrer digitalen Freiheit umzugehen. Hier geht es um Respekt im Umgang miteinander. Ab wann werden Grenzen überschritten? Was verletzt andere Menschen? Bei dieser Diskussion um grundlegende Werte sind auch Eltern und Pädagog/innen gefordert, Jugendliche in digitalen Medienwelten nicht alleine zu lassen. Viele Informationen zu diesem Thema bietet die Aktion „Mobbing – Schluss damit“ von seitenstark.de.
Mehr Informationen:
Projektblog Jugendliche und Web 2.0
Dieses Weblog dokumentiert das Forschungsprojekt "Jugendliche und Web 2.0", das gemeinsam vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und der Universität Salzburg bearbeitet wird. Auftraggeber des Projekts ist die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen.
Aktion „Respekt im Netz“
Zum Safer Internet Day 2008 haben klicksafe.de, die Internauten und schülerVZ eine gemeinsame Aktion gestartet. Ergebnisse und weiterführende Links sind auf dieser Webseite zu sehen.
Aktion „Mobbing – Schluss damit“
Die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten (seitenstark.de) bietet neben Ergebnissen einer großen Umfrage zum Thema Cybermobbing auch praktische Tipps für Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen.
Tipps von klicksafe zu Social Networks: